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Sonntag, 3. April 2016

Die Literaturepoche Naturalismus

Naturalismus



Im Naturalismus wollte man die Wirklichkeit ohne ausschmücken ohne eine
subjektive Sicht abbilden. Es handelt sich um eine Strömung des Realismus
und diese fand auch zur selben Zeit statt. Der Naturalismus war so eine Art
radikale Fortsetzung des Realismus. Alle 3 Gattungen sind im Realismus
vorhanden und auch im Naturalismus zu finden (Prosa, Epik und Lyrik).
Es gibt 3 Epochen :<script async src="//pagead2.googlesyndication.com/pagead/js/adsbygoogle.js"></script>
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  • den Früh-Naturalismus von 1880 bis 1889 ( in den auch “Bahnwärter Thiel auch gehört)
  • den Hoch-Naturalismus von 1889 bis 1895 und ab dann folgt der Niedergang.

Die Zeit war geprägt von der Technik die ihm Aufschwung war. Wichtige
Begründer waren August Kompte und Hippolyte Taine, die Probleme die
aufgebrochen wurden sind die soziale Frage und das Thema Großstadt, da
es durch die Industrialisierung zu einer Verstädterung kam. Naturalistisches
Erzählen ist eine besondere Form des Erzählens und zwar der Sekundenstil,
der wird im Naturalismus angewendet und den kam man auch im “Bahnwärter
Thiel” ganz typisch finden. Die Naturalisten knüpften an den Sturm und Drang
an, also z.b. an Heyne, Büchner aber auch an Goethe. Wichtige Vertreter des
Naturalismus waren Emil Solar, Hendrik Ibsen, Gerhard Hauptmann, Arno
Holz und Johannes Schlaf. Die Definition stammt von Arno Holz “Kunst ist
Natur minus X. Wobei X abhängig ist reproduktionsbedingungen”. Man findet
im Naturalismus viel Protest gegen soziales Unrecht und auch gegen die
Obrechtkeit. Er ist geprägt von einer pessimistischen Grundhaltung, der Mensch
wird determiniert durch Vererbung. Die Großstadt in der Kriminalität, Krankheit
und Alkohol und Exzesse zum Alltag gehören wird immer wieder Thema des
Naturalismus. Literarische Protestbewegung kann man den Naturalismus
durch aus nennen, jedoch kommt er aus einem bürgerlichen Milieu. Insgesamt
ist der Naturalismus geprägt durch eine naturwissenschaftliche Sicht der Dinge.
Darwin und Freud haben mit ihren wissenschaftlichen Innovationen die Welt
verändert und die Dampfmaschine ging in die Turbine und den Motor über und
so kam auch die Eisenbahn ins Spiel die wir in “Bahnwärter Thiel” wiederfinden.
Der Mensch wird als Produkt seiner Gene gesehen, was man auch in “Bahnwärter
Thiel” anhand der Vererbungen sieht. Und die Literatur bildet es ab, die Zentren
des Naturalismus waren Berlin und München wo sich auch Hauptmann befand.
Und ein wichtiges Organ des Naturalismus war “die Zeit” und “die Gesellschaft”
in der Hauptmann auch veröffentlichte.




Samstag, 2. April 2016

Bahnwärter Thiel ein Werk des Naturalismus?


Naturalistische Elemente in “Bahnwärter Thiel”

Also zum ersten ist Thiel Arbeiter, was ganz typisch ist für den Naturalismus
weil in dieser Epoche und dieser Strömung auch jene zur Sprache gekommen
sind und Hauptcharaktere werden konnten die sonst kein Forum in der Literatur
gefunden haben. Zudem kann man noch sagen, dass der “Bahnwärter” durch
sein Milieu determiniert ist, das bedeutet dass er nur begrenzt handeln konnte
und zum einen durch sein Milieu determiniert ist und zum anderen durch die
Biologie z.b. die Triebe, er ist sexuell abhängig von Lene und diese Triebe
fesseln ihn an seine zweite Frau. Also kann man sagen, dass Thiel durch die
Natur determiniert ist, also durch die Triebe und vielleicht auch durch die
Neigung zum Wahnsinn zur Psychose in diesem Fall und das ist ganz typisch
für den Naturalismus. Der Sekundenstil der in dieser Novelle verwendet wird
ist ebenfalls ein typisches Element des Naturalismus. Zudem wird die chrono-
logische Erzählung nur von Traumsequenzen durchbrochen, was für ein
typisches naturalistisches Erzähl-Chema steht. Man kann in “Bahnwärter Thiel”
sein Weg quasi genau nach verfolgen, weil er sehr genaue Ortsangaben

macht und auch präzise Zeitangaben. Man kann so eine Karte von seiner Lage
zeichnen. Thiel ist ein klassischer Antiheld, er ist irre also ein Ausgestossener
und dies oft im Naturalismus ein Thema. So einige machen Alkoholismus
oder Drogenabhängige zum Thema und hier ist es ein Verrückter. Eine geringe
Anzahl von Personen spricht ebenfalls für eine naturalistische Ausprägung
hinzu kommt das die Sprache sich in der Alltagssprache verordnen lässt.
Realistisch ist z.b. Stottern oder andere Elemente enthält jedoch. “Bahnwärter
Thiel” kaum also wenige Dialoge. Zudem ist alles sehr minutiös abgebildet,
also Hauptmann schildert sehr genau den immer gleichen Tagesablauf des
Bahnwärters und das ist auch typisch für den Naturalismus. Zudem nimmt
Hauptmann den “Bahnwärter Thiel” eine naturalistische Studie, gibt also
selbst ein Hinweis darauf das es sich um ein naturalistisches Werk handelt.
Wissenschaftlich wie in einer Studie werden Ursache und Wirkung vom Verfall
des Bahnwärters da gelegt und das ist auch ganz typisch, weil man wollte ja
auch in der Literatur das Abbilden was in der Wissenschaft passiert nämlich
eine Versachlichung und weg von dem mystischen hin zum Realismus.
Es gibt zwar laut Benno von Wiese keine Thematisierung von Vererbung,
doch es gibt kleine Anklingen davon in meinen Augen. Wenn es z.b. darum
geht die Ähnlichkeit der Kinder mit ihrer Müttern dazulegen, kann man sagen
hier wird das Thema Vererbung zumindest aufgegriffen. Dann kann man
noch sagen das es typisch für Naturalismus ist das hässliche dargestellt wird.
Es geht nicht darum eine möglichst schöne heile repräsentative Welt abzu-
bilden, sondern dass Hässliche wird dargestellt.

Mittwoch, 30. März 2016

Industrialisierung ( das Zeitalter und die Wirkung auf die Werke von Hauptmann)

1888 kam es zu Anfängen der industriellen Revolution, die Erfindung der Dampf-
maschine und die daraus erfolgenden Innovationen und Entwicklung veränderten
die gesamte Welt. Man kam weg von einem Agrarstaat hinzu einem Staat in das
die Industrie die das dominierende Gewerbe war. Die Dampfmaschine brachte viele
andere Maschinen hervor, so brachte sie den Zug hervor der mit Dampf betrieben
wurde, den Webstuhl und das machte sehr vielen Angst. Denn die Dampfmaschine
veränderte die Welt. Thiel findest du auch im Politiriat wieder ,also in der Arbeiter-
Klasse die dazu gedacht waren die Maschinen zu betreiben und zu warten. Das
sieht man auch daran das er immer sein Rundgang machen musste und guckte
ob Bolzen daraus zeigen oder so. Als Bahnwärter Thiel entstand wurde es
wohnen wortend aufgenommen von den Umstehenden, aber von anderen Werken
von Hauptmann z.b. vor dem Sonnenaufgang abgelöst welches mehr Beifall bekam. Man kann sagen dass es keine realistische Grundlage für Bahnwärter
Thiel gibt, jedoch gibt es ein Bahnunglück auf der Strecke von Erkner nach Fürstenwalde und in Erkner hat Hauptmann lange gelebt und in diesem Bahnunglück könnte der Hauptmann eine Inspiration gefunden haben. Auch das
Leben in Berlin vom Autor. Er wohnte in Erkner nahe Berlin fließt mit in den
Heldentext ein und die Beschreibung vom Thiels Umwelt entspricht auch der dortigen Realität. Bahnwärter Thiel wurde in die Gesellschaft publiziert inmitten
andere Beiträge von Naturalisten z.b. Ibsen wurde auch in dem Kontext ver-
öffentlich. Geschichtlich passierte zu der Zeit einiges, 1871 gab es die Reichs-
gründung, 1878 kam das Sozialisten-Gesetz auf. Ausländische Schriftsteller wie
Solar und Ibsen wurden Vorbilder der neuen Schriftsteller-Generation. Neue
Personengruppen wie Diren und Ausgestoßene Alkoholiker und Arbeiter drangen
in die Literatur ein, zuvor gab es auch z.b. die Stendel-Klausel je höher ein Prokadunist war, umso interessanter war es wenn eine Bruchladung erlebt hat.
Man versuchte die Wissenschaft auch mit in die Literatur einzubringen und auch
die Industrialisierung spielte eine Rolle. Solar (frz. Autor) wurde viel kritisiert,
aber trotzdem auch gefeiert. Man wollte von ihm mehr Realität. Hauptmann
merkte nach seinem Umzug nach Erkner dass er nicht alleine ist mit seinem
Schaffen und seiner Sicht der Welt und traf sich hier mit anderen Naturalisten
und wurde dadurch inspiriert und wurde deswegen auch so ein wichtiger Vertreter.
1888 ist noch zu erwähnen, das ist nämlich das Erscheinungsjahr wo Bahnwärter

Thiel und der Schimmelreiter erschienen sind und es war auch das Drei-Kaiser-
Jahr, also Wilhelm II und Friedrich III starben. Und Wilhelm II war bis 1918 der
König, der Herrscher, der Kaiser vom Dienst. Zudem gab eine Innovation und
zwar wurde die 1600 km lange Bagdad-Bahn gebaut und das ist natürlich einen
riesen Ereignis und veränderte die Welt. Und Blindwerk schrieb sein Fräulein Julian
und Solar veröffentlichte „der Traum“ und den bereits erwähnten Storm der auch eine Novelle geschrieben hat nämlich den „Schimmelreiter“, das kam im selben

Jahr heraus. Interessant nicht wahr. So dass war es von mir. Danke

Dienstag, 29. März 2016

Die Personenkonstellation von Bahnwärter Thiel


Wer sich die Personenkonstellation einmal genauer ansieht, der stellt fest, dass sich Thiel in zwei Hälften teilt. Auf der einen Seite befindet sich die Frau Lene, die im hier und jetzt seine Ehefrau ist und die Mutter seines zweiten Kindes.

Auf der anderen Seite seine erste Frau Minna, mit der ihn eine große Liebe verbunden hat. Diese lebt jedoch nur kurz und spielt in dem Werk eine weniger aktive Rolle, obwohl sie permanent präsent ist. Seine Kinder sind in dem gesamten Buch da und wichtig, jedoch nimmt von beiden Kindern nur Tobias eine wichtige Rolle ein. Er ist auch das einzige der beiden Kinder, welches namentlich genannt wird. Sein Sohn mit Lene bleibt namenlos.

Zwischen Lene und Tobias ist kein gutes Verhältnis da. Sie zieht ihren leiblichen Sohn vor und kommuniziert das auch sehr deutlich. Sie scheint auch für Minna wenig übrig zu haben, dies wird aber nicht offen besprochen. Im weiteren Verlauf des Buches geht Lenes Verachtung für Tobias sogar so weit, dass sie ihn schlägt und ihn körperlich misshandelt. 

Montag, 28. März 2016

Religiöse Aspekte in Bahnwärter Thiel

Der Naturalismus, also jene Literaturepoche in der Bahnwärter Thiel entstand, war geprägt von einem großen wissenschaftlichen Fortschritt. Dieser begann auch mehr ins Bewusstsein der Menschen zu dringen und ersetzte den vorher überall präsenten Glauben an einen übermächtigen Gott. Die Naturwissenschaften und die Entdeckungen der Medizin machten es möglich Übermenschliches zu leisten und der Glaube an die Technik und an den Fortschritt verdrängte mehr und mehr den Glauben an Gott und die christlichen Traditionen. Bei der Lektüre fällt aber auf, dass der Glaube doch eine Rolle zu spielen scheint:

Doch welche Rolle spielt der Glaube in der Novelle Bahnwärter Thiel und welche religiösen Aspekte lassen sich in der novellistischen Studie herausarbeiten.

Thiel der Kirchgänger

Wer die Novelle liest, dem wird bei den ersten paar Sätzen sofort ins Auge fallen, dass Thiel ein regelmäßiger Kirchgänger ist. Dies setzt sich über Jahre fort, auch wenn diese Jahre nur sehr kurz im Buch zusammengerafft sind.  Jeden Sonntag besucht er die Kirche, nur zwei Unfälle schaffen es ihn von diesem regelmäßigen Ritual ab zu halten.

Er ist in der Gemeinde ein gern gesehener Gast, auch wenn die Wahl seiner Frauen nicht immer auf Gegenliebe stößt. So beurteilen die Leute in der Kirchengemeinde sehr genau welche Frau zu ihm passt und welche eher nicht. Hierbei richten sie sich aber weniger nach den inneren Werten der Damen, sondern vielmehr nach ihrem äußeren Erscheinungsbild.

Normen werden in Frage gestellt

Der Tod von Minna stellt auch Thiels alltägliches Leben auf den Kopf. So kommt es auch, dass er der Hochzeit mit Lene zugetan ist, obwohl er gar nicht wirklich liebevolle Gefühle für sie zu haben scheint. Er sieht in der Verbindung vielmehr eine Zweckehe, welche zur Aufzucht seines Sohnes gedacht ist. Dies ist jedoch nicht mit den, in den kirchlichen Gemeinden selbstverständlichen, Normen zu vereinbaren. Nach diesen hat man sich an ein Trauerjahr zu halten, wenn man Witwer oder Witwe wird.

Auch der Pastor gestattete sich, als Thiel die Trauung anmelden kam, einige Bedenken zu äußern:»Ihr wollt also schon wieder heiraten?«
»Mit der Toten kann ich nicht wirtschaften, Herr Prediger!«
»Nun ja wohl – aber ich meine – Ihr eilt ein wenig.«
»Der Junge geht mir drauf, Herr Prediger.«
Thiels Frau war im Wochenbett gestorben, und der Junge, welchen sie zur Welt gebracht, lebte und hatte den Namen Tobias erhalten.
»Ach so, der Junge,« sagte der Geistliche und machte eine Bewegung, die deutlich zeigte, daß er sich des Kleinen erst jetzt erinnere. »Das ist etwas andres – wo habt Ihr ihn denn untergebracht, während Ihr im Dienst seid?«

Dem Pastor scheinen Thiels Argumente schließlich ein zu leuchten und er stimmt der Hochzeit zu.


Ersatzreligion

Im weiteren Verlauf der Novelle spielt die christliche Glaubenswelt kaum noch eine Rolle. Thiel hat zwar eine Bibel bei sich im Wärterhaus, diese verwendet er aber weniger um zu beten oder Gott zu gedenken, als mehr als Requisite für die Verehrung seiner verstorbenen Frau. Diese ist für ihn heilig und sein Arbeitsplatz, der sorgfältig abgetrennt ist von seinem Leben mit Lene, ist zu einer Art Kultstätte geworden an welcher er Minna gedenkt.

Thiel und die Kinder

Wenn Thiel mit den Kindern im Dorf Umgang hat, dann übernimmt er auch ernsthafte Erziehungsaufgaben. Dazu gehört es auch, dass er den Kindern lesen beibringt. Das macht er mit Hilfe biblischer Texte:
Überdies nahm Thiel auch ernste Dinge mit ihnen vor, hörte den Großen ihre Schulaufgaben ab, half ihnen beim Lernen der Bibel- und Gesangbuchverse und buchstabierte mit den Kleinen »a« – »b« – »ab«, »d« – »u« – »du« und so fort.
Eichhörnchen

Im Verlauf des Buch spielt Religion gar keine Rolle mehr. Jedoch entwickelt sich ein Dialog zwischen Tobias und seinem Vater, als dieser ihn fragt ob es sich bei dem Eichhörnchen, welches ihren Weg kreuzt, um Gott handle. Thiel lacht seinen Sohn aus und erfreut sich daran, dass dieser sehr drollig sei.




Sonntag, 27. März 2016

psychologische Interpretation

Die Novelle Bahnwärter Thiel bietet ein paar sehr schöne Ansatzpunkte, um diese Novelle unter psychologischen Gesichtspunkten zu analysieren. Bitte beachten Sie bei der Lektüre des Artikels psychologische Interpretation von Bahwärter Thiel, dass wir natürlich alle selbst Schüler sind und weder Psychologen noch Literaturwissenschaftler. Dennoch wollten wir die Erkenntnisse, welche wir im Deutschunterricht gesammelt haben, nicht unbeachtet lassen.


Studie

Hauptmann bezeichnet seine Novelle Bahnwärter Thiel selbst als eine novellistische Studie. Was er damit genau gemeint hat ist uns nicht bekannt, jedoch unterscheidet sich diese Bezeichnung von der wie Autoren normalerweise ihre Novellen umschreiben. Doch was genau ist damit gemeint, wenn Hauptmann schreibt, er würde eine Studie vornehmen?

Zunächst wählt der Autor sich eine einzelne Person aus, Thiel, die aus dem bürgerlichen Mileu stammt. An Hand dieser Person beobachtet er bestimmte Vorgänge. Er nimmt seine äußerliche Regungslosigkeit zur Kenntnis und trägt auch die Beobachtung der Umgebung zusammen, in dem er den Eindruck der Leute wieder gibt. All dies sammelt der Autor in seiner novellistischen Studie.

Thiel hat eine instabile Persönlichkeit

Wie man im Verlauf des Buches sieht zeigt sich diese instabile Persönlichkeit in mehreren Punkten. Es ist zum Einen so, dass er bereits früh ein sehr starres und unflexibles Leben hat. Er geht immer den selben Tätigkeiten nach und gibt nach außen ein gutes Bild ab. Jedoch ist dies kaum von emotionalen Äußerungen beleitet. So ist es jeden Sonntag in der Kirche und hat immer blank geputzte Knöpfe.

Im Verlauf der Zeit verliert er seine erste Frau und nimmt diesen Verlust äußerlich ungerührt hin. Innerlich jedoch ist er voller Verzweiflung und unbewältigter Trauer. Er baut ihr eine Art Kultstätte an seinem Arbeitsplatz im Wald und geht dann dennoch eine Zweckehe zu Lene ein.

Bereits hier an seinem Arbeitsplatz zeigen sich erste, wahnhafte Züge von ihm, als er mit seiner verstorbenen Frau spricht und als er phantasiert.

Er hat den Tod seiner Frau nie wirklich verarbeiten können, leidet unter großen Anspannungszuständen und wenn er in seinem Häuschen zur Ruhe kommt und einschläft dann denkt er nach wie vor stark an sie.
Über den selbstquälerischen Vorstellungen all seiner Unterlassungssünden überkam ihn eine schwere Müdigkeit, und so entschlief er mit gekrümmtem Rücken, die Stirn auf die Hand, diese auf den Tisch gelegt.Eine Zeitlang hatte er so gelegen, als er mit erstickter Stimme mehrmals den Namen »Minna« rief.
Ein Brausen und Sausen füllte sein Ohr, wie von unermeßlichen Wassermassen; es wurde dunkel um ihn, er riß die Augen auf und erwachte. Seine Glieder flogen, der Angstschweiß drang ihm aus allen Poren, sein Puls ging unregelmäßig, sein Gesicht war naß von Tränen.

Schaut man sich die Persönlichkeit von Thiel einmal genauer an, so stellt man fest, dass er eine nachgiebige und wenig durchsetzungsstarke Person ist.
Tobias verlangte nach den Blumen, die seitab standen, und Thiel wie immer gab ihm nach.
Zudem ist er konfliktscheu und geht einer Auseinandersetzung mit seiner herrischen Frau Lene lieber aus dem Weg, als seinen Sohn vor Misshandlungen zu retten. Er hat das Gefühl Lene und ihrer Gewalt nicht gewachsen zu sein.

Eine Kraft schien von dem Weibe auszugehen, unbezwingbar, 31unentrinnbar, der Thiel sich nicht gewachsen fühlte.

Das alles spricht dafür, dass Thiel ein schwaches Selbstvertrauen hat.

Die Seelischen Zustände metaphorisch dargestellt

Hauptmann verwendet zahlreiche Bilder, um die inneren Zustände an Hand von äußeren Bildern deutlich zu machen. Neben den Darstellungen der Natur, die man im ganzen Buch über findet, lässt er auch die technischen Geräte den seelischen Status quo spiegeln.

Das Wetter zeigt deutlich wie sich Thiel fühlt, wenn es regnet ist er selbst auch sehr unglücklich, hingegen zeigt sonniges Wetter eine sehr gute Stimmung an.  Hauptmann beschreibt auch einen Sonnenuntergang, dieser ist jedoch kühl und wenig romantisch.

Es wird in typisch impressionistischer Weise beschrieben wie sich die Umwelt gestaltet, denn diese wird mit allen Sinnen wahrgenommen und auch so dargestellt.


Inspiration durch Freud

Freud schaffte es mit seinem Bild von der Seele des Menschen die Welt zu revolutionieren. Er brachte mehrere gewagte Theorien in die Welt.

Er teilte zum Beispiel die menschliche Psyche in drei Teile. Das ICH, das Über - Ich und das ES.
Das ES steht für die menschlichen Triebe, die Sexualität und für die Aggression, das Über Ich für die Ideale und Moral, welche die Gesellschaft und die Eltern auf uns legen und das Ich für den Teil der Persönlichkeit der damit beschäftigt ist beide Teile miteinander in Einklang zu bringen und zu moderieren.

In Thiels Innenleben sieht man sehr deutlich, dass ein Konflikt zwischen dem Über-Ich und dem Es vorliegt. Man erkennt, dass er ein sehr bemühter Mensch ist und versucht in der Gesellschaft einen guten Eindruck zu hinterlassen. Er geht stets in die Kirche, wo er auch immer blank geputzte Knöpfe an seiner Jacke hat und er wirkt insgesamt sehr kontrolliert. So lässt er sich auch nicht anmerken wie sehr ihn der Tod seiner ersten Frau Minna aus dem Leben reißt.

Innerlich aber ist er voller Trauer, so sehr, dass er bereits im Beginn des Buches anfängt sich seltsam und unnormal zu verhalten. Er spaltet auf neurotische Art und Weise sein Alltagsleben von seinem Berufsleben ab. Letzteres hat er mit einem Altar für seine Frau, den er regelmäßig aufsucht zu einer Art Kirche gemacht. Hier regiert das Über- Ich.
Doch in seinem Alltagsleben, da regieren die rohen Triebe. Lene, mit ihrer robusten, fast maskulienen Art, führt ein strenges Regiment voller Gewalt und Sex. Das Es bricht sich hier Bahn.


Thiels Beziehungen zu den Frauen

Seine Beziehung zu den Frauen könnte unterschiedlicher nicht sein. Während er in gerade zu ehrfürchtiger Weise seiner ersten Frau gedenkt unterhält er zu seiner zweiten Frau eine sexuelle Beziehung, die an Abhängigkeit grenzt. Er ist sehr darauf bedacht seine Arbeitswelt von seiner privaten Alltagswelt zu trennen und will damit auch die beiden Frauen von einander separieren.
Schaut man sich die Beziehung von Thiel zu seinen beiden Ehefrauen an, so wird ganz deutlich dass keine der beiden Beziehungen eine realistische und gesunde Basis hat. Während er die Beziehung zu Minna künstlich überhöht und sie gerade zu heilig spricht ( Über Ich) ist er von Lene sexuell abhängig und hat eine triebhafte Verbindung zu ihr.


Dadurch, daß er die ihm zu Gebote stehende Zeit somit gewissenhaft zwischen die Lebende und Tote zu teilen vermochte, beruhigte Thiel sein Gewissen in der Tat.



Thiel selbst findet diese Verbindung aber nicht nur positiv, vielmehr ekelt er sich davor, dass er so eine triebhafte Verbindung zu ihr hat. 
Oft freilich und besonders in Augenblicken einsamer Andacht, wenn er recht innig mit der Verstorbenen16verbunden gewesen war, sah er seinen jetzigen Zustand im Lichte der Wahrheit und empfand davor Ekel.


Abspalten von seelischen Vorgängen

Thiel achtet peinlich genau darauf, dass sich seine Welt im Wald, bei der er mit der toten Ehefrau in Kontakt ist, nicht mit der alltäglichen Lebenswelt vermischt. Er spaltet seine Trauer ab.
Hatte er Tagdienst, so beschränkte sich sein geistiger Verkehr mit der Verstorbenen auf eine Menge lieber Erinnerungen aus der Zeit seines Zusammenlebens mit ihr. Im Dunkel jedoch, wenn der Schneesturm durch die Kiefern und über die Strecke raste, in tiefer Mitternacht beim Scheine seiner Laterne, da wurde das Wärterhäuschen zur Kapelle.
Eine verblichene Photographie der Verstorbenen vor sich auf dem Tisch, Gesangbuch und Bibel aufgeschlagen, las und sang er abwechselnd die lange Nacht hindurch, nur von den in Zwischenräumen vorbeitobenden Bahnzügen unterbrochen, und geriet hierbei in eine Ekstase, die sich zu Gesichten steigerte, in denen er die Tote leibhaftig vor sich sah.

Samstag, 26. März 2016

Symbole

Das Motiv Bahn in Bahnwärter Thiel


Die Bahn ist das Dingsymbol in der Novelle Bahnwärter Thiel. Sie nimmt einen zentralen Punkt in der Geschichte ein, da sie der Novelle nicht nur den Namen gibt, sondern auch den Naturbildern in der Novelle gegenüber gestellt wird.

Die Bahn ist sehr laut und durchdringt die ansonsten vorhandene Stille, die durch die Natur am Arbeitsplatz von Thiel herrscht:


Ein Keuchen und Brausen schwoll stoßweise fernher durch die Luft. Dann plötzlich zerriß die Stille. Ein rasendes Tosen und Toben erfüllte den Raum, die Geleise bogen sich, die Erde zitterte – ein starker Luftdruck – eine Wolke von Staub, Dampf und Qualm, und das schwarze, schnaubende Ungetüm war vorüber. So wie sie anwuchsen, starben nach und nach die Geräusche. Der Dunst verzog sich. Zum Punkte eingeschrumpft, schwand der Zug in der Ferne, und das alte heilge Schweigen schlug über dem Waldwinkel zusammen.

Zum Teil hat die Technik, also die Bahnelemente, ein bedrohliches Erscheinungsbild. Die Lokomotive hat Scheinwerfer, die ihm wie rote, blutunterlaufende Augen erscheinen.

Zwei rote, runde Lichter durchdrangen wie die Glotzaugen eines riesigen Ungetüms die Dunkelheit. Ein blutiger Schein ging vor ihnen her, der die Regentropfen in seinem Bereich in Blutstropfen verwandelte. Es war, als fiele ein Blutregen vom Himmel.

 Die Gleise werden als glühend dargestellt

Auch die Geleise begannen zu glühen, feurigen Schlangen gleich, aber sie erloschen zuerst. 


Natur in Bahnwärter Thiel

Die Natur ist sehr friedlich und harmonisch, um Thiel herum herrscht eine ruhige und friedliche Stimmung. Zum Teil hat die Natur aber auch dramatische Elemente, zum Beispiel den sich erhebenden Wind.
Der Wind hatte sich erhoben und trieb leise Wellen den Waldrand hinunter und in die Ferne hinein. Aus den Telegraphenstangen, die die Strecke begleiteten, tönten summende Akkorde. Auf den Drähten, die sich wie das Gewebe einer Riesenspinne von Stange zu Stange fortrankten, klebten in dichten Reihen Scharen zwitschernder Vögel. Ein Specht flog lachend über Thiels Kopf weg, ohne daß er eines Blickes gewürdigt wurde.
Auch Sonnnenuntergänge, welche sonst ja romantisch und idyllisch sind, werden zum Teil dramatisch. Er wählt starke, dramatische Worte: mächtig Woken, Säulenarkaden und so weiter:
Die Sonne, welche soeben unter dem Rande 
mächtiger Wolken herabhing, um in das schwarzgrüne Wipfelmeer zu versinken, goß Ströme von Purpur über den Forst. Die Säulenarkaden der Kiefernstämme jenseit des Dammes entzündeten sich gleichsam von innen heraus und glühten wie Eisen.

Die Dramatik wird durch alle Sinne erlebbar

Die Szenerie wird insgesamt immer dramatischer. Dies zeigt sich auch in der Darstellung der Gleise und der Geräusche. Das Geschehen wird mit allen Sinnen wahrnehmbar. Man sieht die feurigen Schlangen, spürt das Vibrieren und hört das Getöse: 

Auch die Geleise begannen zu glühen, feurigen Schlangen gleich, aber sie erloschen zuerst. Und nun stieg die Glut langsam vom Erdboden in die Höhe, erst die Schäfte der Kiefern, weiter den größten Teil ihrer Kronen in kaltem Verwesungslichte zurücklassend, zuletzt nur noch den äußersten Rand der Wipfel mit einem rötlichen Schimmer streifend. Lautlos und feierlich vollzog sich das erhabene Schauspiel. Der Wärter stand noch immer regungslos an der Barriere. Endlich trat er einen Schritt vor. Ein dunkler Punkt am Horizonte, da wo die Geleise sich trafen, vergrößerte sich. Von Sekunde zu Sekunde wachsend, schien er doch auf einer Stelle zu stehen. Plötzlich bekam er Bewegung und näherte sich. Durch die Geleise ging ein Vibrieren und Summen, ein rhythmisches Geklirr, ein dumpfes Getöse, das, lauter und lauter werdend, zuletzt den Hufschlägen eines heranbrausenden Reitergeschwaders nicht unähnlich war.


Das fühlt auch Thiel. Zwar ist ihm noch nicht klar welches Unheil da herannaht, aber er hat bereits schon im Vorfeld Ängste und ihm ist nicht wohl. 

Thiel fühlte ein Grauen, und je näher der Zug kam, eine um so größere Angst; Traum und Wirklichkeit verschmolzen ihm in eins. Noch immer sah er das wandernde Weib auf den Schienen, und seine Hand irrte nach der Patronentasche, als habe er die Absicht, den rasenden Zug zum Stehen zu bringen. Zum Glück war es zu spät, denn schon flirrte es vor Thiels Augen von Lichtern, und der Zug raste vorüber.

Das Eichhörnchen

Das Tier ist nur ein Teil der umfangreichen Naturdarstellungen im Buch, jedoch wird es mehrfach dargestellt. Einmal wird es von Tobias gesehen, dieser fragt, ob es sich dabei um Gott handelt.
»Vater, ist das der liebe Gott?« fragte der Kleine plötzlich, auf ein braunes Eichhörnchen deutend, das unter kratzenden Geräuschen am Stamme einer alleinstehenden Kiefer hinanhuschte.
Später erscheint das Eichhörnchen noch einmal, diesmal ist aber schon das Unglück unabwendbar und wird kaum wahrgenommen.